Selbstfindung

Vor einigen Jahren, als ich noch ein paar tackte jünger war (ja ich war auch mal jung), habe ich diejenigen immer etwas belächelt, die mir hier Geschichten über Selbstfindung, Selbstfindungsphasen und der gleichen erzählt haben. Mit Sabbatjahr, 6 Monate Indien oder einer Rucksacktour durch Thailand ums Eck kamen mit der Begründung sie müssten sich selbst finden.

Ja ich habe diese Leute damals belächelt. Wieso muss man sich denn in Indien, Thailand oder in einem Sabbatjahr selbst finden? Du stehst doch lebhaft vor mir, hast du dich verloren? Aber gut, wenn du meinst, geh dich mal suchen. Auch wenn ich dich gerade nicht für eine Halluzination oder Einbildung halte, so wie du vor mir stehst und tatsächlich auch mit mir sprichst.

Mittlerweile sehe ich das ganze aber ein bisschen anders. Mittlerweile hat es sich aus belächelt. Ich kann das ganze Selbstfindungsgequatsche mittlerweile irgendwie nachvollziehen. Vielleicht auch ein bisschen verstehen. Was aber vielleicht, erst mit zunehmendem Alter und zunehmender Erfahrung kommt.

Als junger Mensch, stehst du da einfach nur doof rum. Bist selber eigentlich damit beschäftigt, deinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Gerade dann, wenn du als Schulabgänger vor der Frage der Berufswahl stehst und das Lotterleben, dass du bis dato geführt hast, mit Beendigung der Schule und Eintritt ins Berufsleben mit einem Schlag zu ende ist.

Eigentlich ist das, auch nichts anderes als eine Art der Selbstfindung oder? Du musst als kleiner, junger Hupfer erst noch deinen Platz in der Berufswelt finden. Mancher weiß eher was er tun soll. Andre eher nicht. Ich war eher Fraktion: Ausbildung machen, Arbeiten gehen, weiter schauen. Also Ausbildungsvertrag in einem großen Hotel angefangen. Ausbildung zur Köchin, erster Arbeitstag 1.9.

Nun gut, aus der Kochkarriere wurde ja bekanntlich nichts. 3 Monate später, nachdem ich im Büro vom Chef gekündigt hatte, packte ich meine Sachen, räumte mein kleines Personalzimmer leer und fuhr nach Hause um dann wieder in meinem alten Kinder und Jugendzimmer zu Hausen zu sitzen.

Schöne Scheibenkleister, was tust du jetzt? Irgendwie war immer noch der Focus total drauf gelegt: Vernünftige Ausbildung machen. Was gescheites Lernen. Geld verdienen, damit ich Leben kann. Letztlich im FSJ gelandet, was insgesamt keine blöde Idee war. Da kannst du dir einfach nochmal ein paar Gedanken drüber machen, wo es für dich mal hin gehen soll. Das ätzende an der Sache, du arbeitest als FSJler wie eine Vollzeitkraft, bekommst dafür im bestenfall maximal 400 €. Herzlichen Glückwunsch, dann leb mal 2 Jahre von so wenig Geld.

Große Sprünge machste damit nicht. Aber okay, man nimmt es einfach so hin. Mein Focus lag damals schlichtweg darauf: Irgendwann bist du fertig mit Praktikum und Ausbildung und dann, dann verdienst du auch irgendwann vernünftiges Geld. Lehrjahre sind schließlich keine Herrenjahre. Sagt man zumindest so oder?

Etwa 11 Jahre später sitze ich jetzt hier und hinterfrage alles. Wirklich alles. Was tust du hier eigentlich? Was soll das werden wenn es fertig ist? Willst du wirklich bis zur Rente DAS machen? Schichtbetrieb, ständiger Personalmangel und damit verbundene Überstunden, die du am Sankt Nimmerleinstag nicht mehr abgebaut bekommst.

Kein Privatleben mehr, weil du teilweise 10 Tage oder mehr am Stück arbeiten bist. Deine Wohnung nur noch zum Essen und schlafen dient. Dein Pferd steht nur noch dekorativ auf der Koppel rum. Und wann du deine 14 Tage Resturlaub nehmen sollst, ist dir bei der aktuellen Personallage absolut schleierhaft.

Ausschlaggebend für den Sinneswandel und das ich meinen Focus definitiv neu setzten muss, war letztendliches der Jobwechsel im August. Aus Gesundheitlichen Gründen musste ich den Bereich wechseln, von Pflege und Betreuung in die Betreuung. Vor dem Jobwechsel war ich lange im Krankenstand, hatte Zeit und konnte mich um mich kümmern. Geschlagene 3 Monate konnte ich im Prinziep selbst entscheiden, wie, was, wo ich tue. Was irgendwie echt genial war.

3 Monate später stehst du von 0 auf 100 in zwei Sekunden wieder mitten im Berufsalltag, der auch mit Arbeitgeberwechsel genau gleich aussieht wie vorher. Personalmangel, Überstunden, seltenst zwei Tage am Stück frei. 14 Tage Resturlaub, bei denen ich nicht weiß wann, wo oder wie ich sie überhaupt nehmen soll. Privatleben, hab ich keins. Hobbys, hab ich keine. Sozialkontakte, sind mir zu viel. Schlafverhalten, Katastrophal.

Wenn ich ehrlich bin: Im Moment gehe ich nur arbeiten um eine Wohnung zu bezahlen, in der ich nie bin und ein Auto zu finanzieren, dass ich überwiegend dafür brauche um überhaupt zur Arbeit zu kommen. Komischer Kreislauf. Vielleicht auch ein Teufelskreis?

Natürlich, anfangs habe ich mir das schön geredet. Ja du brauchst jetzt erst mal Zeit. Du musst dich da erst mal dran gewöhnen, ist ja alles neu. Das bedeutet einfach, dass du dich selbst auch umstrukturieren muss. Aber ganz ehrlich? Ich könnte mit zunehmender Zeit wirklich im strahl Kotzen. Was soll diese schönrederei? Wie lange braucht man denn bitteschön um sich an einen neuen Job zu gewöhnen und seinen Alltag anzupassen?

Irgendwann macht es dann Klatsch. Es häufen sich so viele Dinge an. Beinahe täglich kommt irgendein neuer Schmarrn ums Eck. Und irgendwann kippt der Turm. Irgendwann ist es einfach zu viel und du liegst im Dreck. Und dir wird mit einem schlag klar, nein, dass ist nicht das was ich möchte. Was ist das bitte für ein Leben? Nicht meins. Wenn es anderen Leuten gefällt, nur noch dafür zu leben sich für die Arbeit aufzuopfern, bitteschön. Jede freie Minute dort zu verbringen und kein Leben mehr haben, bitte schön, könnt ihr machen. Ich bin da aber raus. Mir gefällt das Spiel nicht und ich möchte nicht mehr mitmachen. Ich geh schaukeln.

Genau das war glaube ich der längst fällige Arschtritt. Der Tritt, den ich gebraucht habe um mir nicht mehr alles schön zu reden. Aufzuhören so zu tun, als würde sich das irgendwann schon noch ändern und aufgehört habe, einfach hinzunehmen wie es ist oder wie es kommt.

Drauf zu warten, dass sich was ändert, ist eine ganz schlechte Idee. Wenn du Änderung haben willst, beweg endlich deinen Hintern und mach. Sonst sitzt du in 10 Jahren immer noch dort, jammerst wie scheiße alles ist, geändert hat sich aber rein gar nichts.

Es war der längst fällige tritt, um endlich damit aufzuhören, alles vor mir her zu schieben. Der fällig tritt, endlich mal eine Entscheidung zu treffen, die vielleicht eine neue Möglichkeit sein könnte. Vielleicht auch so ein bisschen Herausforderung. Wer weiß, dass wird sich noch zeigen. So wie es aber im Moment ist, kann es nicht bleiben. Weil so endet das langfristig nur in einem Fiasko hoch 2000.

Als Selbstfindung würde ich es zwar nicht bezeichnen, eher als Focus neu setzten. Den Focus wieder finden. Ziele und Wünsche neu definieren. Auch wenn das bedeutet, dass ich das hinter mir lasse was ich ursprünglich als den richtigen Weg gesehen habe. Aber wie heißt es so schön, Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Memo an mich selbst:

  • Vernünftigen Laptop organisieren, mit vernünftig Arbeitsspeicher und gescheiten Prozessor, zwecks Bildbearbeitung usw.
  • To Do Liste schreiben
  • Blog aufmotzen
  • „Redaktionsplan“ für Blog und Instagram machen.
  • Vorplanen, anständigen Content fabrizieren. Ggf. Blog überarbeiten und abändern.

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