Umstrukturieren?

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Ende Dezember war ich bereits an dem Punkt, an dem ich mir selbst ganz klar gesagt habe: Selbstständig ja, aber nicht so. Du musst dich umstrukturieren. So geht das nicht und das willst du auch nicht.

Der Ursprüngliche Gedanke meiner Selbständigkeit war eigentlich der, dass ich Menschen mit Behinderung oder auch Senioren in ihrem Alltag unterstützen wollte. Also im Sinne von Unterstützung im Haushalt oder auch im Bereich der Betreuung und Freizeitgestaltung.

Mitte November kam dann die erste Kooperation mit einem Pflegedienst zustande. Anfangs dachte ich mir, jaja, das passt schon. Ich fahr da halt n paar Pflegetouren und dann passt das schon.

Aber es passt eben nicht. Im Dezember zig Touren gefahren. Das ganze natürlich nach Plan und unter unglaublichem Zeitdruck und Stress. Hauptaufgabe hier natürlich: Pflege. Na toll. Klar war mir das am Anfang bewusst. Wollte es mir aber einfach mal anschauen und es einfach mal laufen lassen.

Zunehmend ist es aber wirklich so, dass ich merke, dass es für mich die völlig falsche Welt ist. Mein Hintergedanke war: Ich möchte mir Zeit für die Leute nehmen. Ich möchte mir meine Arbeitszeiten auch selbst einteilen könne und nicht von bis müssen.

Ende Dezember wollte ich eigentlich schon alles hinwerfen. Wurde dann natürlich aber für Januar nochmal angefragt. Wie das bei mir dann natürlich wieder mal so läuft: Ich kann nicht nein sagen. Rumms, im Dezember für 6 Spätdienste zugesagt. Naja, besser als morgens um 6 schon senkrecht stehen zu müssen.

Das gelbe vom Ei, ist es aber nicht gerade. Pflegedienst im herkömmlichen Sinne ist wirklich nicht meine Welt. Du hast nur ein bestimmtes Zeitfenster, in dem du massenhaft Patienten regelrecht abfertigen musst, wie am Fließband. Weil mehr von den Kassen schlichtweg nicht bezahlt wird. Heißt, du rennst dir nen Wolf. Bist eigentlich noch mitten in der Pflege, gleichzeitig aber schon mit einem Fuß wieder aus der Tür draußen.

Wo bleibt da der Mensch? Der Mensch, der vielleicht den ganzen Tag alleine ist, dessen einzige Ansprache oder dessen einziger Kontakt der Pflegedienst ist, der ein oder zweimal am Tag zu ihm kommt? Reduziert auf die Pflege. Reduziert auf das nötigste. Wo bleibt da aber die Seelenpflege? Für mich gehört der Kontakt, sich Zeit lassen, sich auch mal kurz mit den Leuten unterhalten auch zu einer vernünftigen Pflege dazu.

Es sind immer noch Menschen, auch wenn sie alt, krank oder behindert sind. Gerade da, geht vieles vielleicht einfach nicht mehr so schnell. Aber dennoch werde ich das Gefühl einfach nicht los, dass so viel auf der Strecke bleibt. Gerade die „Seelenpflege“. Den Mensch immer als ganzen sehen und man spricht doch immer von ganzheitlicher Pflege. Aber ganz ehrlich? In der Realität, sehe ich davon nicht viel. Für mich ist das abfertigen. Nicht mehr. Nicht weniger.

Meine Entscheidung dazu: Im Januar werde ich noch ein paar Touren fahren. Habe mich aber bereits nach anderen Aufträgen umgeschaut. Wo es wirklich mehr um die Betreuung geht. Der Zeitdruck einem nicht so im Genick sitzt usw. Ab Februar, wars das dann erst mal für mich, was die Pflegedienstgeschichte angeht.

Zum einen zieht mir das unglaublich viel Energie und Saft. Zum anderen, kann ich das mit meinen Werten nicht so ganz vereinbaren. Das funktioniert für mich langfristig einfach so nicht…..

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