Sich lösen und Entscheidungen treffen

Das neue Jahr hat gerade angefangen und ist noch nicht besonders lange da. Trotzdem ist in diesen zwei Wochen, die es erst alt ist, schon einiges passiert. Angefangen mit negativem und Endend damit, dass mir gefühlt 100 kg Steine von den Schultern gefallen sind.

Viel hat da tatsächlich mit dem Job zu tun. Vor ein paar Monaten habe ich, aus einer Panik heraus, den Job gewechselt und einen Job aufgegeben, der mir immer Spaß gemacht hat. Ich dachte damals, dass muss jetzt sein, ich kann es jetzt auch nicht mehr ändern.

Plopp, neuen Job angefangen. Innerhalb von kurzer Zeit habe ich mich bereits gefragt, was zum Henker tu ich hier eigentlich. Warum hast du das gemacht? Dir macht es überhaupt keinen Spaß. Klarer Fall, Griff ins Klo. Was viele Gründe hatte.

Angefangen mit einer nicht gerade guten Einarbeitung, bereits an meinem Dritten Tag hieß es, bitteschön, mach mal. Du kannst das schon. Für mich war aber eigentlich vorhersehbar: Das geht nicht gut. Nicht weil ich meinen Job nicht richtig machen, sondern eher deshalb, weil man innerhalb von 2 Tagen, definitiv nicht den kompletten Ablauf intus hat. Geschweige denn, dass man sich in zwei Tagen alles merken könnte.

Über Wochen war mein Standartsatz: Wenn ich was vergessen habe oder noch etwas hätte machen sollen, dann sagt mir das bitte. Nachdem aber nie wirklich Resonanz kam, ging ich davon aus passt schon. Drei Monate später kam, ach übrigens oder ich sags dir im Guten oder du ich hab dir oben ne Listen an den Kühlschrank gehängt, da steht alles drauf, was du zu tun hast.

Im ernst jetzt? Drei Monate lang, sage ich beinahe täglich, man möge mir bitte sagen wenn etwas nicht passt, die Antwort darauf war durchgehend „Ja, machen wir, aber wird schon passen.“ Jetzt, drei Monate später, kommt ihr an mit, das passt nicht, dass passt nicht und das musst du übrigens machen? Wie lange zerreißt ihr euch eigentlich schon hinter meinem Rücken das Maul?

Über Wochen und Monate habe ich mich an einem Job festgehalten, der mir eigentlich bereits nach den ersten 8 Wochen völlig zu wieder war. Ich hatte zunehmend das Gefühl, ich habe kein Leben mehr. Ich renne nur noch zur Arbeit und mein Alltag ist völlig aus den Fugen geraten. Einen Alltag hatte ich ehrlich gesagt nicht mehr.

Dazu kam, dass ich mich auch nach Wochen nicht im Team zugehörig fühlt. Immer das Gefühl hatte, der Aussenseiter zu sein. Die Neue, die keiner haben will, weil das alte bestehende Team so eingeschworen und eingefahren ist, dass eigentlich kein Platz für jemand neuen ist. Gleichzeitig war ich Anlaufpunkt für Geläster. Hatte ein Kollege ein Problem mit einem anderen Kollegen, diente ich nur all zu oft als Emotionsmülleimer. Dafür schien ich gut genug zu sein

Meist zog ich mich in solchen Fällen aber zurück. An Lästereien wollte ich nicht beteiligt sein. Schon gar nicht an diesem Hinten rum sich aufregen. Geht doch bitte zu dem Kollegen mit dem ihr ein Problem habt und klärt es mit ihm direkt, anstatt hintenrum zu schimpfen.

Ehrlich gesagt möchte ich nicht wissen, was da über mich schon alles geredet wurde. Mit Sicherheit genügend.

Zunehmend wurde das ganze zur Belastung. Ich wollte das nicht mehr. Habe mir verkrampft versucht einzureden: Jetzt wart noch ab, probier erst noch ein bisschen, dass gibt sich von alleine. Du brauchst Zeit zum rein kommen. Das geht nicht von heute auf morgen.

Aber es hat einfach nicht geklappt. Anfang November war ich bereits an dem Punkt, an dem ich kündigen wollte. Stand da, habe direkt mit dem Vorgesetzten gesprochen. Habe mich einlullen lassen, was ich damals doch im Vorstellungsgespräch gesagt hätte. Das man von mir schon erwarten würde, länger zu bleiben.

Ende Dezember: Mit dem Kopf unter dem Arm, schlage ich in der Arbeit auf. Völlig fertig, völlig überarbeitet. Müde, völlig Ko, kurz vor „ich kann nicht mehr“. Ziehe meinen Dienst noch durch, werde auf die Frage ob es okay ist wenn ich 1 Stunde früher gehe, weil ich mit allem fertig bin, vom Kollegen völlig entgeistert angeschaut. Heißt also so viel wie nein. Danke für die Rücksichtnahme.

Anfang Januar: Bumms krank. Für mich vorhersehbar und eigentlich kein Wunder. Anruf in der Arbeit, bin Krank, meld mich nochmal. Am selben Tag die Kündigung eingeworfen. Kurz darauf nochmal angerufen, anderer Kollege am Telefon.

Auf mein „Ich bin weiterhin krank“ bekam ich zu hören, wie scheiße er das fand, dass ich Dienstag erst um halb 10 angerufen hatte. Wegen mir, und weil ich, hätte er gemusst. Ich solle doch zukünftig mehr Rücksicht auf Kollegen nehmen. Dein Ernst? Du warst neulich derjenige, der mich im Dienst völlig fertig gesehen hat, mit dem Kopf unterm Arm, aber darauf bestanden hatte, dass ich meinen Dienst bis zum Ende durchziehe. Sogar von mir noch erwartet hast, dass ich das Auto, dass DU an dem Tag in Gebrauch hattest, zurück in die Garage fahre.

Was zum Henker ist eigentlich los mit dir? Ist das gerade der Neid der aus dir Spricht? Weil ich vor ein paar Tagen noch erzählte, wie gut es mit meiner Selbstständigkeit läuft? Du im gleichen Atemzug aber noch meintest, du hättest zu viel Angst vor dem Risiko, weswegen du dich nie selbstständig machen würdest? Erkenntnis daraus, sprich niemals über Geld, dass löst nur Streit und Ärger aus.

Vor ein paar Tagen: Bestätigung meiner Kündigung im Briefkasten. Das Arbeitsverhältnis Endet zum 31.01.2022

Ich höre mich tief schnaufen, merke wie sich alles entkrampft und entspannt. Es fühlt sich an, als würden 100 kg Steine von mir fallen. Mein persönlicher Horror hat somit ein Ende.

Was ich aus der Sache lerne?

Kündige niemals überstürzt einen Job der dir Spaß macht.

Halte nicht an einer Arbeit fest, die dich auch nach mehreren Monaten noch frustriert und dir keinen Spaß macht

Versuche nicht an einem Job festzuhalten, bei dem du das Gefühl hast du gehörst dort nicht hin

Krall dich nicht an einen Job, bei dem du auch nach Monaten das Gefühl hast, du gehörst zum Team nicht dazu.

Denn damit richtest du dich nur selbst zugrunde. Ich hätte mal weitaus früher auf mein Bauchgefühl hören sollen. Habe es aber nicht getan. Den Idealen und Normen anderer nachjagen, denn man hört zu oft, du kannst doch nicht schon nach 8 Wochen wieder kündigen, das gehört sich nicht.

Oh doch, und wie ich kann. Nun ja, waren 6 Monate die ich durchgehalten habe. Länger wäre für mich aber wirklich zu viel gewesen. Aber selbst bei 6 Monaten heißt es….du kannst doch nicht….doch ich kann und ich werde.

Warum sollte ich da noch länger rum tun? Ich hatte nach 4 bis 5 Wochen schon das Gefühl, dass mir das ganze dort überhaupt keinen Spaß macht. Hatte das Gefühl, nicht zum Team dazu zu gehören und das man mir auch die Chance dazu gar nicht gibt. Ganz davon mal ab, hat sich mit jeder weiteren Woche, die ich versucht habe, meinen Hinter zusammen zu kneifen und weiter zu machen, immer mehr in mir gesträubt, da überhaupt hin zu fahren und rein zu gehen.

Beinahe jeden Tag habe ich mir eingeredet, das schaffst du schon, so schlimm ist es doch gar nicht. Aber wenn ich in stillen Momenten ehrlich zu mir war: Doch es ist schlimm für mich. Schlimm für mich da hin zu gehen. Schlimm für mich einen Job zu machen, der mir keinen Spaß macht. Schlimm für mich, mich mit jedem Dienstantritt zu fragen, was bekomme ich heute wieder gedrückt? Schlimm für mich, mich jeden Dienstbeginn zu fragen: Und wer flippt heute aus und geht auf mich los?

Manchmal merkt man schon viel früher das es nicht passt und quält sich dann doch noch durch. Und irgendwann kann man nicht mehr und setzt dem ganzen ein Ende.

Manchmal sollte man mehr auf sein Bauchgefühl hören.

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