Wenn man mal Hilfe braucht, is keiner da

Das ich Menschen nicht leiden kann, ist eigentlich nichts neues. Von sozialkontakten bin ich eigentlich immer sehr schnell gestresst. Von Menschenmassen möchte ich gar nicht erst anfangen. Ich kanns einfach nicht haben. Und für mich war das schon immer ein Rätsel, wie es Menschen geben kann, die ständig Kontakt haben wollen und ständig jemanden um sich rum brauchen. 

Natürlich, ein bisschen Kontakt möchte ich schon auch. So nur alleine ist auch nichts. Auch wenn ich gerne alleine bin und meine Ruhe haben möchte. Aber, dann bitte dosiert und gewählt gesetzt. 

Was mir jetzt mit meinem Quarantäne-Corona-Dings aufgefallen ist? Nicht nur, dass du als alleinstehender hier ganz schön aufgeschmissen bist, wenn du Lebensmittel brauchst und niemanden hast, der dir was bringen könnte. Einkaufen darfst nicht gehen, geliefert wird hier in der Gegend aber auch nicht. Dir bleibt dann nur noch Pizzadienst oder Hungern. Aber wer kann sich denn bitte ständig Lieferservice leisten? Bist ja auch gleich mal 15 Euro für ein Abendessen los. 

Was ich aber fast noch schlimmer finde? Die Tatsache wie viele aus meinem Umfeld plötzlich ihr Wahres ich zeigen. Kurzum, eigentlich habe ich aus Sicherheitsgründen mein Umfeld darüber Informiert „Hey Leute, ich hab Corona, bin jetzt erst mal in Quarantäne. Falls ich was brauche, könnte ich da auf euch zu kommen?“

Wisst ihr was die Resonanz war? 

„Hast du Symptome?“

„Wie schlimm sind deine Symptome?“

„Uff, dass ist aktuell ganz schlecht, ich hab keine Zeit“

Äm. Ich hab doch nicht nach ner Niere gefragt?!?! Es ging doch nur drum, falls ich was vom Einkaufen brauche, ob mir wer was mitbringt und vor die Türe stellt. Einkaufen müsst ihr doch eh. Aber da ne Tüte vor die Türe stellen? Das überschreitet dann jegliche Zeitlichen kapazietäten? Oder habt ihr Angst, dass ich euch durch die geschlossene Türe anniese und infiziere?

Was ist nur los? Der Witz an der Sache, genau diese Gruppe war vor Monaten die Gruppe, die am lautesten geschrien hat „Wenn du beim Umzug Hilfe brauchst, ich bin am Start und helfe dir!“ Mhm, werdet ihr nicht. Vorallem dann nicht, wenn es euch schon zu viel ist, was vom Einkaufen mitzubringen. 

In diesem Sinne, ich hätte tatsächlich Hilfe gebraucht. Erwartet von mir in Zukunft einfach rein gar nichts mehr. Ich hab demnächst, wenn ich dann mal wieder gesund bin, auch keine Zeit mehr. Rein aus Prinzip. Und ich bin dann demnächst einfach umgezogen. Alleine. 

Vorbei kommen? Ne, lasst mal. Ihr wollt nur wieder was von mir. Als ich was gebraucht hätte, hats keinen intressiert.  

2 Gedanken zu “Wenn man mal Hilfe braucht, is keiner da

  1. Puh, das ist wirklich eine total bescheuerte Situation (und Reaktion). Was ist schon dabei mal zu helfen und Essen vorbei zu bringen?
    Hier haben die’s auch nicht mit Supermarkt Lieferungen; da ist man auch immer auf die Mitmenschen angewiesen.
    Da vergeht einem wirklich die Lust darauf, beim nächsten mal selbst zu helfen…

    Gefällt 2 Personen

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