Was hast du so vor?

In letzter Zeit wurde ich doch immer mal wieder gefragt, wie ich mir meinen weiteren beruflichen Werdegang vorstelle. Ob ich vor habe, dauerhaft zu schichten oder ob ich nicht mal in Erwägung ziehen würde, eine Leitung zu machen. Denn schließlich hätte ich ja die Ausbildung dazu auch Gruppenleitung machen zu können.

Wenn ich dann gesagt habe, dass ich eigentlich gerne Reittherapeut geworden wäre im Moment aber eher dem Gedanken nachhänge, den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung zu erweitern, werde ich in letzter Zeit immer wieder mit großen Augen angeschaut.

Gerade von denjenigen, die eigentlich nicht so recht wissen, wie das eigentlich für Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt zu tun hat. Die Meisten haben nämlich die Ansicht, Behindert = Behindertenwerkstatt. Behindertenwerkstatt = Bauklötze spielen. Obwohl das komplett verkehrtes denken ist.

Gerade weil Behindert nicht gleich Behindert ist. Sind auch nicht alle von Geburt an beeinträchtigt. Manch einer war vielleicht mal völlig normal. So wie du und ich. Dann kam ein schwerer Autounfall. Oder eine Krankheit. Und Schwups, macht der Körper nicht mehr so mit wie er soll. Und man sitzt im Rollstuhl.

Was ich damit eigentlich sagen möchte ist, dass nicht jeder, der im Rolli sitzt gleich geistig eine Einschränkung hat und deshalb nicht auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt arbeiten kann.

Gehe ich jetzt aber mal von dem Klientel aus, dass tatsächlich in der Werkstatt arbeitet. Sei es aus den banalsten Gründen, aufgrund von Körperlichen und/oder geistigen Defiziten. Welche vielleicht der Grund dafür sind, weshalb der Betroffene nicht auf dem normalen Arbeitsmarkt bestehen könnte, da er mit den Anforderungen nicht mithalten kann, aufgrund seiner Einschränkungen.

Was tun diese Leute da eigentlich? Was arbeiten die da? Sie spielen mit Sicherheit keine Bauklötzchen. Zumindest diejenigen nicht, die in der Werkstatt sind. Förderstätte oder Fördergruppe, je nachdem wie es in den verschiedenen Teilen Deutschlands bezeichnet wird, mal ausgeschlossen.

Überlegt mal. Was tun die da? Eigentlich nichts anderes als wir auch. Sie gehen da hin um zu arbeiten. Sie beteiligen sich an Fertigungsprozessen. Stellen zum Teil sogar Eigenprodukte her und haben Kooperationen mit Firmen, denen zugearbeitet wird.

Heißt, eine Firma hat einen Auftrag, z.B. ein bestimmtes Produkt mit den entsprechenden Etiketten bekleben. Es wird geprüft ob dieser Auftrag machbar ist. Wenn ja, wird angenommen. Daraufhin wird dieser Auftrag erledigt und das fertig beklebte Produkt an den Auftraggeber zurückgeschickt. Dafür bekommen die Werkstätten Geld. Was wiederum für verschiedene Zwecke verwendet wird. Wie Löhne, Neuanschaffungen usw.

In den Werkstätten gibt es jedoch verschiedene Bereiche, in denen die Mitarbeiter tätig werden können. Darunter fallen z.B. Hauswirtschaft, Wäschereien, Schreinereien, zum Teil auch Gartenbau, Einzelhandel und auch Montagegruppen.

Auch die Möglichkeit, auf eine Arbeit auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt ist gegeben. Nur, dass diejenigen eben von der Werkstatt weiterhin betreut werden können.

Manch einer wird sich nun denken, Wahnsinn, da gibt es doch total viele Möglichkeiten. Und da ist doch ein super Angebot. Da ist doch für jeden was dabei und man kann individuell auf die Leute eingehen.

Aber ist es das wirklich? Sage ich gerne in diesem Zusammenhang zu meinen Gesprächspartner, er solle mal darüber nachdenken, wie groß seine Auswahlmöglichkeit an Berufen und Jobs ist. Und sich dann nochmal Gedanken drüber machen, welche Möglichkeiten ein Mensch mit Behinderung hat.

Die meisten kommen von selber drauf, warum ich damit liebäugle den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung zu erweitern. Kommt ihr auch drauf?

 

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