Landwirtschaft = Sinnesförderung?

Die Landwirtschaft hat so viel zu bieten. Meiner Meinung nach. Natürlich hängt hier sehr viel Arbeit mit dran. Was man natürlich nicht außer acht lassen darf. Extrem vielseitig, würde ich mal behaupten. Weiterlesen

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Zustände wie im Mittelalter, neulich im Hallenbad

Diese Woche, war ich leicht schockiert über die „Zustände“ im Hallenbad, als ich mit einer Rollstuhlfahrerin dort war. Wir wollten uns einfach einen schönen Tag machen. Mehr nicht.

Umziehen erfolgte auf einer Matte am Boden, in der Behindertentoilette, weil eine andere Möglichkeit nicht vorhanden war. Auf den Boden konnte ich sie auch nur legen, weil mir eine Kollegin dabei geholfen hatte.

Damit allerdings noch nicht genug. Die nächste Hürde wartete bereits am Becken auf uns. Stufen über Stufen. Und weit und breit kein Lifter zu sehen. Wie ich sie ins Wasser brachte? Wieder mithilfe vereinter Kräfte. Selbiges Spiel rückwärts. Nicht so lustig, gerade dann wenn die zu bewegende Person nass ist.

Duschen nach dem Schwimmen, war auch eine gewisse Herausforderung. Eine Behindertengerechte Dusche war zwar vorhanden, der Duschstuhl war allerdings ein ausrangierter Gartenklappstuhl. Wunderprächtig. Kurzzeitig musste ich sogar angst haben, dass mir die junge Frau, mit der ich unterwegs war, vom Stuhl rutscht.

Fitness konnte ich mir eigentlich sparen, mein Rücken wird es mir in ein paar Jahren wahrscheinlich boshaftig danken. Was das mit Integration und Inklusion zu tun hat, ist mir ehrlich gesagt vollkommen schleierhaft. Mal davon abgesehen, dass besagtes Hallenbad noch nicht so alt ist, dass man die Ermangelung von Behindertengerechter Ausstattung, nachvollziehen könnte.

Überrascht war ich dennoch über die wirklich tolle Hilfsbereitschaft der anderen Badegäste. Die sehr zuvorkommend waren und ihre Hilfe in jeglicher Form anboten und keinerlei Berührungsängste zeigten. Die Menschheit scheint doch noch ein bisschen gut zu sein :).

Trotzdem muss ich sagen, bin ich sehr enttäuscht über die vorgefundenen „Zustände“. Da will man Menschen mit Behinderung ein normales Leben ermöglichen, kann es teilweise aber nicht, weil öffentliche Einrichtungen gar nicht darauf ausgelegt sind. Irgendwas stimmt doch da nicht. Und da soll man noch vernünftig arbeiten können. Mal ganz zu schweigen davon, dass es enttäuschend ist. Gerade für die Betroffenen. Die vieles einfach nicht machen können, weil sie vergessen werden.

 

 

 

Wozu bracht man das eigentlich?

Vorwortsgedudel

Neulich hatte ich ein sehr interessantes Gespräch, mit einem unserer Bewohner, der recht fit ist. Unter fit meine ich, dass er körperlich nicht beeinträchtigt ist. Seine Diagnose lautet Autismus. Autisten sagt man gerne nach, dass sie viel in ihrer eigenen Welt leben. Was auch in vielen Punkten auf diesen Bewohner zutrifft.

Auf der anderen Seite, kann man sich aber auch sehr intensiv mit ihm über gewisse Themen unterhalten. Diese Gespräche lassen mich oft auch eine Weile nicht los. Da sie wirklich sehr in die Tiefe gehen. Und meist einen sehr spannenden Verlauf nehmen. Ganz zu schweigen davon, dass man situativ einen komplett anderen Blickwinkel auf die Dinge bekommt.

Aufwärmphase

An einem Wochenende waren wir unterwegs. Unser Autist hat uns von sich aus begleitet. Was mich zuerst etwas gewundert hatte, da er zu mir keinen sehr engen Bezug hat.

Wollte er auch noch ein paar Besorgungen erledigen und wollte wohl auch ein bisschen Gesellschaft und sich ein wenig unterhalten. Muss ich offen zugeben, dass ich einen halbwegs guten Draht zu ihm habe. Was allerdings auch nicht von Anfang an so war. Es hat Zeit gebraucht, die ich ihm aber auch ließ.

Unterwegs haben wir uns erst eine Weile über Technik unterhalten. Über PCs und Spiele. Davon habe ich allerdings nicht viel Ahnung, weshalb ich einfach geduldig zuhörte und immer wieder nachfragte, wenn ich etwas nicht verstand. Hatte der Bewohner die größte Freude daran, mir es dann ganz genau und haarklein zu erklären.

Im weiteren Verlauf

Mit der Zeit erzählte er mir immer mehr. Erzählte mir viel, was ihn interessiert. Was ihm Spaß macht. Sowohl in seiner Freizeit als auch beruflich. Erfuhr somit einige Dinge, von denen ich überhaupt nicht wusste, dass diese in seinem Kopf vorgingen.

Überhaupt nicht wusste, dass er diese Interessen überhaupt hat. Bei manchen waren sogar die Kollegen überrascht, als ich ihnen davon erzählt hatte. Vor allem diejenigen, die ihn bereits weitaus länger kennen als ich, von diesen Interessen aber noch gar nichts wussten.

Ist es doch sehr interessant, wie unterschiedlich manche Bewohner auf die verschiedenen Betreuer reagieren. Faszinierend, dass sie manches auch nur bestimmten Mitarbeitern anvertrauen.

Wozu braucht man das eigentlich?

Irgendwann waren wir dann an dem Punkt angelangt, an dem wir auf das Thema Personalmangel im sozialen Bereich zu sprechen kamen. Der Bewohner sprach dies an. War es also auch ihm aufgefallen, dass Personal fehlt. Das oft auch lange niemand nach kommt.

Er hatte dazu einen sehr treffenden Einfall, man könnte doch einfach so die Leute einstellen. Wozu braucht man denn in diesem Bereiche überhaupt eine Ausbildung. Es seien schließlich auch nur Menschen. Würde man das einfach weg lassen, hätte man bestimmt mehr Personal und das Problem nicht mehr an der Backe.

Eigentlich hatte er auf gewisse Weise ja irgendwo recht. Wenn man Mensch ist, kann man sich doch im Grunde in andere Menschen hineinversetzen. Wenn man über einen gesunden Menschenverstand und ein Bauchgefühl verfügt.

Erklärungsversuch

Ganz in meinem Element des Pädagogen, versuchte ich ihm dann zu erklären warum eine Ausbildung auch in diesem Bereich wichtig ist. Vielleicht sogar besonders wichtig.

Ich kam ihm dann mit einem komplett blöden Beispiel an. Ich versuchte mich nämlich daran, den HEP mit einem Metzger zu vergleichen. Ich meinte daraufhin, wenn man mich jetzt in eine Metzgerei stellen würde und mir sagen würde, ich sollte da Stake raus schneiden, hätte ich überhaupt keine Ahnung was ich machen sollte. Würde es einfach irgendwie tun. Andersherum würde es wohl auch dem Metzger gehen, der plötzlich jemanden dazu anleiten soll, sich anzuziehen.

Mit der darauf folgenden Antwort hatte ich dann überhaupt nicht gerechnet, die auf meinen kläglichen Erklärungsversuch folgte. „Du kannst doch eine tote Kuh nicht mit einem Menschen vergleichen. Das ist nicht dasselbe.“

Anderer Versuch

Auf meinen Missglückten Versuch der Erklärung, versuchte ich mich anders. Ich versuchte mich darin ihm zu erklären, was dahinter Steckt. Das sich die Ausbildung zum einen mit der Pflege auseinander setzt, die in diesem Bereich eine große Rolle spielt. Zwar nicht bei allen, aber dann doch bei einigen.

Auf der anderen Seite hingen aber auch andere Sachen mit dran. Wie Pädagogik zum Beispiel, die ich wiederum dafür brauche um Leuten etwas beizubringen. Man lernt in der Ausbildung zum einen wie man speziell schwächere Bewohner Anleitet Dinge zu tun. Oder wie man ihren Alltag zu Hause gestalten kann. Auch wenn sie selbst es nicht tun können. Heißt der Mitarbeiter versucht dies zu übernehmen, die Freizeit zu gestalten und das in einem schönen Rahmen.

Bei leichter behinderten Menschen müsse man dann aber anders vorgehen, auch das würde man in der Ausbildung lernen. Wie man damit umgeht. Wie man damit umgeht ihnen dabei zu helfen, ihr Leben gut zu leben.

Außerdem würde der Medizinische Aspekt eine große Rolle spielen. Im Sinne, dass man sieht, wenn jemand einen Schlaganfall oder Epileptischen Anfall hat. Wie man damit umgeht und wie man zu reagieren und zu handeln hat.

Der Bewohner brachte hierbei dann einen Einwand. Äußerte er, dass der HEP also sowas wie in die Richtung Krankenpfleger wäre. Allerdings konnte ich diesen Vergleich nicht ganz bestätigen. Denn kann ein Krankenpfleger weitaus mehr Medizinischen Maßnahmen durchführen wie ich es je dürfte. Viele Medizinische Dinge müssen beispielsweise über eine Medizinische Fachkraft abgewickelt werden. Beziehungsweise müsste sie es mir beibringen und mich dazu anleiten. Weil ich es in der Ausbildung nicht hatte.

Der nächste Einwand bestand dann darin, dass die Frage aufkam, dass ein Heilerziehungspfleger im Grund im „fitteren Bereich“ fehl am Platz wäre. Da dieser ja mehr das Pflegerische und Medizinische hätte.

Musste daraufhin leider auch wieder einen Einwand einwerfen. Da es in der Ausbildung auch Inhalte zur Wiedereingliederung gibt. Unterstützung und Beratung wären eine große Aufgabe in diesem Bereich, die mitunter einen Ausbildungsinhalt darstellt. Ganz zu schweigen von rechtlichen Grundlagen, die für manches benötigt werden, von denen ein nicht gelernter, vielleicht nichts weiß.

Er schien es im großen und ganzen dann wohl doch verstanden zu haben, weshalb eine Ausbildung in diesem Bereich so wichtig ist. Es einfach ein sehr weitgefächertes Gebiet ist, in dem man nie auslernt. Menschen einfach viel zu unterschiedlich sind. Man aber lernt, durch verschiedenen pädagogische aber auch Menschliche Vorgehensweisen damit umzugehen und entsprechend zu handeln.

Ganz zu schweigen von den Maßnamen und Zielen, die man erlernt. Beziehungsweise wie man diese Erstellt und einen Blick dafür bekommt. Einen Blick dafür, was für Bedürfnisse jemand hat und ausbaufähig wäre. Auch wenn dies noch so klein ist.

Verständnis worauf es hinaus gehen sollte

Ich konnte allerdings verstehen worauf er eigentlich hinaus wollte. Weshalb ich relativ schnell noch etwas zwischen schob. Ist es in Bayern nämlich so, dass 2 Jahre Praktikum verlangt werden, bevor man die Ausbildung beginnen kann. Ansonsten No Way. Außer man hat Abitur. Oder eine mehrköpfige Familie versorgt. Oder eine Abgeschlossene, mindestens  2 Jährige Ausbildung, die irgendwie mit Heilerziehungspflege in Zusammenhang steht.

Auf die zwei Jahre Praktikum, in denen man für 450 € arbeitet, folgen dann weitere drei Jahre. Drei Jahre duale Ausbildung. Heißt, mindestens 22 Stunden in der Woche im Betrieb, der Rest in der Schule.

Viele schreckt genau das oft ab. Viele Denken sich, bevor ich 5 Jahre lang rum tu, bis ich fertig bin, mach ich lieber was anderes. Dann bin ich in 3 Jahren damit durch. In fünf Jahren studiert manch anderer. Während andere eine Ausbildung machen.

Fazit

Das Gespräch hat mir in dem Sinn nochmal die Augen ein wenig geöffnet. Den Blickwinkel anders gesetzt. Mir nochmal intensiv klar gemacht, um was es in meinem Job eigentlich geht. Was eigentlich meine Schwerpunkte sind. Was wichtig ist. Worum es eigentlich überhaupt geht.

 

Warum ich dafür bin?

Warum ich dafür bin, den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung zu erweitern? Warum ich dafür bin, ein großes Angebot an Arbeitsbereichen in der Werkstatt anzubieten? Reichen die Bereiche nicht aus die es schon gibt? Muss das sein?

Fragen über Fragen, die mir manchmal durch den Kopf surren. Zu denen ich meine persönliche Meinung habe. Persönlich bin ich nämlich der Annahme, dass auch Menschen mit Behinderung eine Wahl haben sollen. Natürlich haben sie auf gewisse weise eine Wahl. Sie können zwischen den Bereichen wählen, die es schon gibt. Aber was ist wenn da kein Bereich dabei ist? Der ihnen zusagt? Oder wenn ihnen in 10 Jahren genau diese Arbeit nicht  mehr gefällt? Aber etwas anderes genau so wenig passt?

Denke ich da mal selber drüber nach, fällt mir auf, dass der Normalo ziemlich viel Auswahl hat. Haste Abi, geht’s zum Studieren. Haste aber keinen Bock auf Studium, machst du eben eine Ausbildung. Aber welche? Bist du eher Handwerklich begabt, geht’s eher Richtung Handwerk. Und so weiter und sofort. Weißt du nicht was du machen sollst, gehst du zum Arbeitsamt und lässt dich beraten. Dort hilft man dir dann, aufgrund deiner Fähigkeiten weiter.

Hast du keinen Bock mehr bei Arbeitgeber xy zu arbeiten, wechselst du die Stelle. Macht dir der Job keinen Spaß mehr, machst du eine neue Ausbildung oder eine Umschulung. Oder gehst später nochmal studieren. Und so weiter. Aber was ist mit den Menschen mit Behinderung? Natürlich ist nicht jeder Mensch der eine Behinderung hat, gleich ein Fall für die Werkstatt. Aber was ist mit denjenigen die in der Werkstatt arbeiten? Was ist da? Die Auswahl recht schmal. Ohne jemanden schlecht machen zu wollen. Ist es natürlich auch eine Sache die ein gewisses Maß der Überforderung nicht erreichen sollte.

Dennoch bin ich der Auffassung das ein bestimmtes Spektrum geboten sein sollte. Auch wenn es im ersten Moment schon recht groß erscheint.

Aber warum bin ich gerade pro Landwirtschaft? Pro mit Tieren? Pro draußen? Weil ich darin potential sehe. Potential für diejenigen, die vielleicht als „schwierig“ oder „auffällig“ gelten. Die vielleicht andere Anforderungen benötigen.

Mal ganz zu schweigen, was die Arbeit mit Tieren alles bewirken kann. Wäre das schon beinahe Therapie. Naja im übertragenen sinne. Ist es ja inzwischen kein Geheimnis mehr, dass Tiere auf Menschen eine bestimmte Wirkung haben. Für manch einen Menschen mit Behinderung oder psychischen Problemen, positive Erfahrungen und somit Linderung oder vielleicht (übertrieben) Heilung oder Besserung bringt.

Auch andere Aspekte spielen eine Rolle. Meiner Meinung nach, werden verschiedene Kompetenzen gefördert. Geschult. Beigebracht. Verantwortung übernehmen zum Beispiel. Einen Beitrag leisten. Sich kümmern. Positive Entwicklung des Selbstvertrauens und des Selbstbewusstseins. Sozialkompetenz. Und und und. Oder so ähnlich 🙂

Aber leider muss ich hin und wieder feststellen, dass die Idee an und für sich gut ist. Allerdings scheitert es häufig daran, Geld in die Hand nehmen zu müssen. Daran, dass ein solches Unterfangen recht Kostspielig ist. Was leider oft mal ein Hindernis ist, so eine Idee umzusetzen. So irgendwie. Schade eigentlich. Finde ich. So irgendwie.

Was hast du so vor?

In letzter Zeit wurde ich doch immer mal wieder gefragt, wie ich mir meinen weiteren beruflichen Werdegang vorstelle. Ob ich vor habe, dauerhaft zu schichten oder ob ich nicht mal in Erwägung ziehen würde, eine Leitung zu machen. Denn schließlich hätte ich ja die Ausbildung dazu auch Gruppenleitung machen zu können.

Wenn ich dann gesagt habe, dass ich eigentlich gerne Reittherapeut geworden wäre im Moment aber eher dem Gedanken nachhänge, den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung zu erweitern, werde ich in letzter Zeit immer wieder mit großen Augen angeschaut.

Gerade von denjenigen, die eigentlich nicht so recht wissen, wie das eigentlich für Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt zu tun hat. Die Meisten haben nämlich die Ansicht, Behindert = Behindertenwerkstatt. Behindertenwerkstatt = Bauklötze spielen. Obwohl das komplett verkehrtes denken ist.

Gerade weil Behindert nicht gleich Behindert ist. Sind auch nicht alle von Geburt an beeinträchtigt. Manch einer war vielleicht mal völlig normal. So wie du und ich. Dann kam ein schwerer Autounfall. Oder eine Krankheit. Und Schwups, macht der Körper nicht mehr so mit wie er soll. Und man sitzt im Rollstuhl.

Was ich damit eigentlich sagen möchte ist, dass nicht jeder, der im Rolli sitzt gleich geistig eine Einschränkung hat und deshalb nicht auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt arbeiten kann.

Gehe ich jetzt aber mal von dem Klientel aus, dass tatsächlich in der Werkstatt arbeitet. Sei es aus den banalsten Gründen, aufgrund von Körperlichen und/oder geistigen Defiziten. Welche vielleicht der Grund dafür sind, weshalb der Betroffene nicht auf dem normalen Arbeitsmarkt bestehen könnte, da er mit den Anforderungen nicht mithalten kann, aufgrund seiner Einschränkungen.

Was tun diese Leute da eigentlich? Was arbeiten die da? Sie spielen mit Sicherheit keine Bauklötzchen. Zumindest diejenigen nicht, die in der Werkstatt sind. Förderstätte oder Fördergruppe, je nachdem wie es in den verschiedenen Teilen Deutschlands bezeichnet wird, mal ausgeschlossen.

Überlegt mal. Was tun die da? Eigentlich nichts anderes als wir auch. Sie gehen da hin um zu arbeiten. Sie beteiligen sich an Fertigungsprozessen. Stellen zum Teil sogar Eigenprodukte her und haben Kooperationen mit Firmen, denen zugearbeitet wird.

Heißt, eine Firma hat einen Auftrag, z.B. ein bestimmtes Produkt mit den entsprechenden Etiketten bekleben. Es wird geprüft ob dieser Auftrag machbar ist. Wenn ja, wird angenommen. Daraufhin wird dieser Auftrag erledigt und das fertig beklebte Produkt an den Auftraggeber zurückgeschickt. Dafür bekommen die Werkstätten Geld. Was wiederum für verschiedene Zwecke verwendet wird. Wie Löhne, Neuanschaffungen usw.

In den Werkstätten gibt es jedoch verschiedene Bereiche, in denen die Mitarbeiter tätig werden können. Darunter fallen z.B. Hauswirtschaft, Wäschereien, Schreinereien, zum Teil auch Gartenbau, Einzelhandel und auch Montagegruppen.

Auch die Möglichkeit, auf eine Arbeit auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt ist gegeben. Nur, dass diejenigen eben von der Werkstatt weiterhin betreut werden können.

Manch einer wird sich nun denken, Wahnsinn, da gibt es doch total viele Möglichkeiten. Und da ist doch ein super Angebot. Da ist doch für jeden was dabei und man kann individuell auf die Leute eingehen.

Aber ist es das wirklich? Sage ich gerne in diesem Zusammenhang zu meinen Gesprächspartner, er solle mal darüber nachdenken, wie groß seine Auswahlmöglichkeit an Berufen und Jobs ist. Und sich dann nochmal Gedanken drüber machen, welche Möglichkeiten ein Mensch mit Behinderung hat.

Die meisten kommen von selber drauf, warum ich damit liebäugle den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung zu erweitern. Kommt ihr auch drauf?

 

Kaffeetrinken und Zeitung lesen. Der Alltag eines HEPs?

„Du trinkts da doch nur Kaffee und liest dabei Zeitung!“

„Was tust du da eigentlich? Bauklötze spielen? Türmchen bauen und Bilder malen oder?“

„Da wird doch nix gearbeitet. Zumindest nix richtiges. Ihr macht euch da schon nen chilligen Job.“

Sprüche die ich früher immer mal zu hören bekam, wenn ich erzählte ich würde eine Ausbildung zur HEP machen. Alleine die Aussage, was ich für eine Ausbildung mache, hatt bei den meisten erst mal Fragezeichen im Gesicht verursacht. Weil man das noch nie gehört hat. (Habe ich bestimmt einfach mal erfunden und mir aus der Nase gezogen:))

Bei der näheren Erläuterung, dass es da um die Betreuung von Menschen mit Behinderung geht, folgten eben immer mal die oberen Sätze. Die mich hin und wieder zur puren Weißglut trieben. Weil das gar nicht stimmt. Alles andere, nur stimmen tuts nicht.

Gerade dann, wenn ich einen Arbeitstag hinter mir habe, wie am Montag, weiß ich ganz genau, ich trinke definitiv nicht nur Kaffee und lese auch kein einziges Wort in einer Zeitung.

Als HEP legt man nicht mal eben die Füße hoch

Lasst mich euch einen kurzen Einblick in meinen Job erlauben. Am besten einen kleinen Einblick, in den Arbeitstag am Montag.

Arbeitsbeginn 15:30 Uhr. Jacke runter, in die Hausschuhe rutschen. Schnell an den PC und kurz überfliegen was an Mails und Tagesdoku vorhanden ist. Am besten Zeitgleich noch den Kaffee aufsetzen, kommen die ersten Bewohner schon um 15:40 Uhr von der Werkstatt nach Hause. Und die erste wird, kaum das sie den Wohnbereich im oberen Stock (in dem ich übrigens Dienst hatte) betreten hat (besser befahren), nach einem Kaffee fragen. Und das so lange, bis sie ihre Tasse  bis an den Rand gefüllt, vor sich stehen hat. Vorher wird keine Ruhe herrschen.

Kaum vom PC weg, steht auch die erste Bewohnerin mit ihrem Rolli im Wohnbereich. „Du….kann ich Kaffee?“ Hab ichs doch geahnt. „Mit Milch?“ „mmmmmh. Jap“ Allerdings hatte ich dann immer noch keinen Frieden, musste ich mir gefühlt hundert mal anhören, wann Fasching ist und ob besagte Bewohnerin doch bitte in ihren Schrank schauen darf.

Zwischenzeitlich mal zu unserem aktuell Kranken bewohner geschaut, der derzeit in der WG bleibt. Und Tagesbetreuung von der Bereitschaft hat. Er lag im Bett und schlief. Sollte ihn jetzt allerdings nicht all zu lange schlafen lassen. Schläft der sonst ja Nachts nicht. Und hält die Bereitschaft wach.

Vorher aber noch schnell nach der Wäsche schauen. Gut, alles vom Tagdienst bereits soweit weggewaschen. Lobenswert. Muss ich das schon nicht mehr tun, nachdem ich bis 18 Uhr, mit 4 Bewohnern  alleine bin. Wegen Personalersparnis. Hätte zwar auf den Springer im Stockwerk unter mir zugriff. Macht aber keiner. Kann schließlich nur auf einem Stockwerk mit zwei laufen. Frau Rennt dann leiber alleine. Bis die Bereitschaft ca 2 Stunden später zur unterstützung kommt.

Mittlerweile war bereits Bewohner drei zuhause eingetrudelt. Der dann auch noch regelmäßig, nachdem ich ihm die Jacke und die Straßenschuhe ausgezogen hatte, nach Trinken rief. Welches ich ihm eingeben muss, da er selber nicht trinken kann.

Zwischen Tür und Angel, verfrachtete ich dann, die Kaffeetante, auf die Toilette. Inklusieve Lifter. Nahm bereits den Schlafanzug mit, damit ich sie schon mal umziehen konnte. Wenn sie schon auf dem Klo ist. Natürlich bekam sie noch einen Pulli. Damit es eher nach Daheimrum Kleidung und nicht nach Schlafi aussah.

Die Beine hoch gelegt? Fehlanzeige.

Für nen Kaffee ist immer Zeit

Kaum hatte ich das Badezimmer verlassen, schoss bereits die letzte im Bunde auf die Etage. Ein relativ kurzes Hallo. Darauf ein pampiges „Ist hier n Klo frei.“ Okay. Ich merk schon. Schlechte Laune lässt stark grüßen. War schon auf das schlimmste Vorbereitet, als ich ihr sagte, dass ihre Schwester gerade das Klo blockiert. Nichts. Irgendwas stimmt da gerade nicht so ganz.

Den Kaffee den ich ihr anbot, konnte sie aber so gut wie nicht abschlagen. Ich selbst hatte bis dato lediglich zwei Schluk meines Kaffees getrunken. Im Vorbei rennen. Zwischen Tür und Angel. Kalt war er inzwischen auch noch. Na prima. Aber kalter Kaffee macht ja bekanntlich schön. Den Tee, welchen ich mir kurz vorher gekocht hatte, hatte ich inzwischen auf Ex runter gekippt. Konnte nicht mal sagen ob er gut war.

Die Rauchen doch alle bloß

Kaum einen Schluck Kaffee zu mir genommen, der ja kalt war, hüpfte ich ins Zimmer des Kranken. Der muss aufstehen. Rausgezogen. Richtung Toilette buchsiert. Einlagenwechsel eindeutig notwendig. Laut Doku hatte er ziemlich viel Getrunken. Die Einlage bestätigte mir auch die Dringlichkeit eines Wechsels.

Weiter gehts. Kaum das dieser auf dem Klo saß, schoss ich auch schon wieder ins andere Bad. Beziehungsweise hatte ich es vor. Hielt dennoch kurz inne und dachte so bei mir, ich könnte eigentlich eine Zigarette vertragen. Weshalb ich zwischen den Zeilen kurz auf den Balkon verschwand um der Sucht zu fröhnen.

Jeder andere Raucher würde dafür mindestens 5 minuten brauchen. Ich schaffs in 2 1/2. Ich hab auf die Uhr geschaut. Nikutin abgedeckt. Genuss flöten gegangen. Oder auf Urlaub in den Malediphen. Kommt erst in ein paar Tagen zurück.

Sofortiger abgang ins Bad. Kaffeetante vom Klo geholt. Schalfanzughose anziehen in der Eile verspickt. Hatte ich sie schon im Rolli sitzen als es mir augefallen ist. Naja, mach ichs eben später und richte jetzt nur mal oben rum.

Tiefer Schluck aus der Kaffeetasse. Rin zum Kranken. Vom Klo geholt. Schlafanzug angezogen.

Grantler muss auch noch zur Pflege. Wäre nicht schlecht. Habe ich sonst fünf Kilo Einlage an der Hand hängen. Für die etwas schlecht gelaunte Bewohnerin immer nur für einen Kurzen Moment Zeit zum schwatzen. Ärgert man sich dann schon, wenn man weiß dass im unteren Stock auf 2 Betreuer die selbe Anzahl Bewohner kommt. Die ich alleine schmeiße. Fühlt sich nicht gut an. Wirklich nicht.

Wie war das mit der Zeitung?

Inzwischen, nachdem ich drei Leute gepflegt hatte, fünf Schluck Kaffee getrunken hatte, und eine 2 1/2 Minuten-Zigarette hatte, war es Zeit Abendessen herzurichten. Bei genauere Betrachtung des Kühlschrankes viel mir allerdings auf, dass Brotbelag relativ rar war. Sollte vielleicht fürs Frühstück übrig bleiben. Gemüse schien so oder so Mangelwahre darzustellen.

Entsprechend suchte ich die Tiefkühle nach einem halbwegs schnellen Gericht ab. Das man einfach schnell in die Pfanne knallt und gut ist. Wurde Fisch mit Kartoffeln draus. Nebenher, während ich für die ganze Mannschaft kochte, noch der Kaffeetante beim verkleiden geholfen. Hatte sie doch tatsächlich ihr Kostüm in die Finger bekommen.

Multitaskintechnisch sogar noch rausbekommen, warum die Schwester so schlechte Laune hatte. Der Bus kommt früher. Also der Fahrdienst. Weils angeblich nicht anders geht. Und sie immer ein paar Minuten zu spät in die Werkstatt kommen. Hauptproblem war eigentlich, dass die Schwester jetzt etwas früher aufstehen muss. Ganz zu schweigen, dass sie in der Früh weniger Zeit hat.

Um aufs Zeitunglesen zurück zu kommen. Habe ich allerhöchstens die Anleitung gelesen, wie ich den Fisch in der Pfanne am besten bearbeite. War ich mir da nicht ganz sicher. Eine Zeitung hatte ich bis dahin,  nicht ein einziges mal in der Hand. Und selbst wenn ich es getan hätte, hätte ich mich lediglich über das Titelbild gewundert. Der Inhalt mir gänzlich unbekannt. Und ein Rätsel.

Wenn dann doch mal Ruhe rein kommt.

Gegen 18 Uhr trudelte dann auch meine Verstärkung ein. Was zur Folge hatte, dass etwas mehr Ruhe in die Sach rein kam. Ich sogar Zeit hatte, nach dem Abendessen in aller Ruhe eine Zigarette zu rauchen und sie auch zu genißen.

Mal davon abgesehen, dass ich noch zwei Bewohner zu Bett brachte. Und einer der Beiden, Liebensgewürzigerweise, Durchfall hatte. Fand ich auf die Uhrzeit dann nicht mehr so toll. Von den Latschen gehauen hat es mich eindeutig nicht.

Bewohner soweit fertig. Allerdings noch nicht mit der Arbeit. Wäsche abhängen und zusammenlegen. Maschiene anschmeißen, in der sich innerhalb der letzten Stunden, doch einiges Angesammelt hat. Damit es am nächsten Tag fertig ist.

Küche in Ordnung bringen. Geschirr weg räumen. Tisch wischen. Spüli anschmeißen. Herd sauber machen, Töpfe von Hand spülen, die nicht mehr in die Spüli passen. Doku schreiben. Kontrollieren ob ich alles Abgezeichnet habe, was ich gemacht hatte (Medigabe, Stuhlgang etc.)

Zum Glück musste heute keiner mehr Baden.

Punkt 21 Uhr abgestempelt. Völlig entnervt. Gelöchert wie ein Schweizer Käse von den imme wiederkehrenden Fragen, die kamen.

Chillig? Eindeutig was anders, dass aber definitiv nicht. Badewanne ist mein Ziel und dann ins Bett. Herzlichen Glückwunsch.

 

 

Freitagsdienst

Der gestrige Dienst war ganz schön anstrengend. 13 Bewohner und 4 Mitarbeiter.

Nach 9 Stunden arbeit, hat es mir gereicht. Kann man das glauben?

Ab 15 Uhr waren wir nur noch zu zweit. Die beiden anderen Kollegen haben den Wocheneinkauf erledigt, den man beinahe schon zu zweit machen muss. Schafft man es sonst fast nicht.

Zu zweit dann um den Rest gekümmert. Gepflegt und  gebadet. Wäsche gewaschen, Müll entsorgt. Küche aufgeräumt. Den Haushalt geschmissen

Irgendwie haben wir es dann doch hinbekomnen mal 20 Minuten hinzusitzen und kurz Pause zu machen. Eigentlich 10 Minuten zu kurz Pause gemacht.

Nach 9 Stunden „Wann ist Fasching?“ „Wann gehen wir verkleiden?“ „Darf ich Kostüm suchen?“ hatte ich die Schnautze voll.

Ganz zu schweigen von mehrfacher Pflege und einigen Kilos die ich gehoben, geschoben, gezogen, gerollt oder per Lifter bewegt hatte. Fragen beantwortet, mich mit Technick befasst, Telefonate angenommen und geführt, getröstet und bespaßt hatte.

Wie habe ich es dann noch hinbekommen, 1 Stunde, zuhause meinen eigenen Haushalt zu schmeissen? Und das dann erst gegen 21:40 Uhr, als ich zuhause war? Weiß ich nicht.

Heute habe ich frei.

Morgen geht es dann zum Nachtdienst. Ich bin gespannt. Ob ich diesmal schlafen kann? Man wird sehen.

Mir macht die Arbeit mit Menschen mit Behinderung wirklich Spaß. Aber der Schichtdienst setzt mir langsam zu.

Hoffentlich kommt nächste Woche das Einladungsschreiben. Für die Stelle als Gruppenleitung in einer Werkstatt. Wie schön wäre es, wieder geregelte Arbeitszeiten zu haben.

Ach wie schön ist Panama.

 

Ist eine Existenzgründung zum Scheitern verurteilt?

Das Übliche zur Einleitung

Bewerbung hier, Bewerbung da. Absage da, Absage dort. Keine Rückmeldung von hier. Manchmal scheint es aussichtslos zu sein und keinen Ausweg findbar. Was mich wieder mal zu dem Gedanken kommen lies, eigentlich solltest du dich selbstständig machen.

Aber er scheint gar nicht so einfach zu sein. Zumindest kommt es mir so vor. Bei allem was ich mir irgendwie in den Kopf gesetzt habe zumindest.

Was ich mir so einrede

Irgendwie scheint derzeit alles nicht so zu funktionieren wie ich mir das so vorstelle. Jobwechsel klappt nicht. Brauche aber irgendwie was anderes. Möchte gerne wieder in einen Betrieb zurück in dem ich schon gearbeitet habe. Der Bewerbungsprozess zieht sich aber leider noch etwas hin. Entsprechend schwinden meine Hoffnungen immer mehr, an meiner aktuellen Lage irgendwas zu verändern.

Entsprechend habe ich mir immer wieder Gedanken über eine Änderung im Sinne der Existenzgründung gemacht. Ideen schießen durch meinen Kopf, dass man manchmal beinahe glaube könnte, der Kopf verkraftet das auf lange Sicht schon gar nicht mehr.

Habe ich zur Zeit zwei Ideen, die ich mir einrede. Zum einen bin ich immer noch fest und schwer davon überzeugt, dass ich Reittherapeut werden möchte. Und darauf aufbauend ein Angebot für Menschen mit Behinderung entstehen lassen möchte.

Die zweite Idee, wäre die Gründung eines ambulanten Pflegedienstes. Schwerpunktmäßig allerdings eher Richtung Alltagsbetreuung. Beziehungsweise Alltagsunterstützung und Gestaltung.

Allerdings scheint es doch einige Knackpunkte zu geben, an denen es zum Scheitern verurteilt zu sein scheint.

Woran es beim Pflegedienst scheitert

Habe ich hier natürlich das Internet durchforstet. Haufenweise Seiten durchgelesen und mich informiert. Aber es scheint an einigen Dingen zu scheitern, die ich nicht bedacht hatte. Gibt es diesbezüglich nämlich ziemlich viele Auflagen, die ich erfüllen müsste um dies durchzuziehen.

Es scheitert an so vielen Aspekten wie z.B. meiner Berufserfahrung die noch nicht so lange anhält. An einem Buissinesplan, bei dem ich nicht wüsste wie ich ihn schreiben sollte. An der Tatsache, dass ich noch keine Führungsfortbildung habe, die ich für die PDL bräuchte. Auch wüsste ich nicht, wo ich zwei Vollzeitkräfte herbekommen sollte, die mich beim Start unterstützen. Geschweige denn, dass ich wüsste wo ich Geschäftsräume anmieten sollte (wo natürlich die Geldfrage im Raum steht). Ganz davon abgesehen, dass es hier in der Gegend wahrscheinlich doch schon einige Ambulante Pflegedienste gibt. Mit denen ich konkurrieren müsste.

Was außerdem noch hinzu kommt ist, dass ich selber nicht sonderlich davon überzeugt bin. Zumindest noch nicht. Gerade Arbeitszeitentechnisch kann ich mich selbst nur schwer von einem Ambulanten Dienst überzeugen. Weshalb von vornherein genau der Plan eigentlich schon hinfällig ist. Weil die Überzeugung dazu fehlt, es zu machen.

Woran es aktuell beim Reittherapeuten hängt

Das kommt aktuell aus der Pistole geschossen. Es scheitert am Geld. Eindeutig. Spare ich zwar gerade jeden Cent auf die Seite. Scheint es dennoch so, dass nichts vorwärts zu gehen scheint.

Denke ich genauer darüber nach, mich mit Reittherapie selbstständig zu machen, komme ich unterm Strich auf den Punkt, dass ich es Anfangs eindeutig nicht als Vollzeitjob machen könnte. Würde ich wahrscheinlich vorher verhungern. Müsste ich also im Grunde zwei Jobs haben. Teilselbstständig aber dennoch irgendwo angestellt. Damit ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Der ja nicht gerade gering ist. Ganz zu schweigen vom Unterhalt, den ein Tier bedarf.

Woran es bei der Kooperation hängt

Habe ich mir auch weitere Gedanken gemacht. Darüber mit einem Betrieb zusammen zu arbeiten. Mit einem Träger. Allerdings scheitert es wohl aktuell auch hieran. Daran, überzeugend rüber zu bringen, was meine Intension ist. Überzeugend rüber zu bringen, warum man genau DAS als Erweiterung für den Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung nutzen soll.

Es scheitert nicht daran, dass ich keine Idee hätte. Die Ideen wumseln nur so in meinem Gehirn. Es scheitert wohl tendenziell daran, das alles zu Papier zu bringen. Daran auf Papier, in Textform das ganze gut rüber zu bringen. Daran, dass ich mir unheimlich schwer tue, den Text professionell und Aussagekräftig zu formulieren.

Scheitert es gerne auch mal daran, dass mir keine Idee kommt, wie ich meinen Text überhaupt anfangen soll. Ich lange da sitze und mir denke, die Idee ist doch da, warum bekomme ich jetzt die weiße Seite da nicht voll.

Rückschlagtechnisch ist es für einen Selbst dann auch nicht gerade von Vorteil, wenn auf einen Weiteren Versuch noch keine Reaktion kam. Man sich die Frage Stellt, was man eigentlich verkehrt gemacht hat. Sich dies nicht erklären kann. Man sich einredet „Ich war nicht professionell genug.“ Fraglich ist allerdings nur, was wird denn eigentlich als Professionell bezeichnet? Vielleicht sollte ich mich zu Anfang erst einmal genau mit dieser Frage auseinander Setzten.

Eine Lösung?

Eine Lösung scheine ich derzeit nicht so recht zu haben. Außer mich nochmal hin zu setzten und mir zu überlegen, wie ich es zu Papier bringe. Zu Papier bringe, von was ich überzeugen will. Versuche es nochmal professionell klingen zu lassen.

Vielleicht schaue ich auch nochmal im Internet nach Tipps. Da findet man ja so einiges. Fraglich ist nur, ob ich es umsetzten kann. Bin mir selber auch gerade nicht ganz sicher ob ich mich zu sehr auf was einschieße. Aber aufgeben kommt gerade nicht in Frage. Möchte ich es nicht.

Es wird doch irgendeine Lösung geben, die Sinnbringend ist. Das muss doch irgendwo sein. Besser der Lösungsweg, der richtig ist, muss irgendwo vorhanden und da sein.

 

 

Landwirtschaft als Arbeitsbereich für Menschen mit Behinderung. Ein Bericht

Hallöchen ihr Lieben Leser!

Ich melde mich mal wieder zu Wort. Und das zwischendurch mal mit meinem Lieblingsthema, an dem ich mich gerne etwas längerfristig aufhänge. Aus welchem Grund auch immer. Nein ich hänge mich da nicht dran auf, ich bin voll motiviert darüber Infos zu bekommen und sauge diese regelrecht in mich auf. Schon eine Idee? Für meine bereits länger vorhandene Leserschaft dürfte es eigentlich ein sehr leichtes sein, zu wissen, von was ich spreche. Nämlich davon, wie ich die Landwirtschaft als Arbeitsfeld für Menschen mit Behinderung nutzen könnte und wie man es umsetzten kann. Wie ich diversen Betrieben, die sich bereits der Behindertenarbeit hingegeben haben, davon überzeugen kann, dass man genau das als Erweitertes Arbeitsfeld benötigt. Die Landwirtschaft in diesem Sinne ein positiver Aspekt ist, den man sich näher ansehen sollte.

Entsprechend meiner eigenen Motivation, setzte ich mich heute wieder mal an den PC. Eigentlich mit dem Hintergedanken, zu recherchieren wie ich mich als HEP irgendwie selbstständig machen könnte. Allerdings hat mir mein Lieblingsthema keine Ruhe gelassen. Weshalb ich anfing nochmal zu suchen ob es nicht doch irgendwie und irgendwo einen Sinnvollen Beitrag zum Thema gibt, den ich vielleicht noch nicht gelesen habe. Zuvor durchforstete ich aber nochmal das Internet nach diversen Leitfäden für ein Konzept, um mir Stichpunkthaltig schon mal aufzuschreiben, was ich denn in mein Konzept einbringen möchte. Darauf aufbauend dann nach Beiträgen gesucht, die ich noch nicht las. Also Beiträge zum Thema Menschen mit Behinderung in der Landwirtschaft. Wo ich nicht zu Letzt sogar über den ein oder anderen Beitrag von mir selbst stolperte, von dem ich gar nicht mehr wusste, dass ich den überhaupt mal geschrieben hatte. Wahnsinn oder? Faszinierend.

Zu erst muss ich jedoch sagen, entdeckte ich dann irgendwo die Werkstättenverordnung, die man sich via PDF Datei im Netz anschauen konnte. Ich konnte nicht widerstehen, mir die mal durchzulesen. Wusste ich eigentlich bis heute zwar, dass es diese Verordnung gibt, was da genau aber drin steht, wusste ich bis vorhin noch nicht. Entsprechend habe ich mir dann, für mein Konzept, den §5 Absatz 1 – 4 raus gelassen. Denn der spiegelt einiges sehr gut wieder, was eigentlich genau für eine Umsetzung eines landwirtschaftlichen Projektes spricht. So rein theoretisch gesehen. In der Praxis schaut es dann so oder so ständig anders aus, wenn ich mich nicht irre.

Gut, alles soweit zusammen gesammelt, stichpunktartig aufgeschrieben, was ich eigentlich in mein Konzept reinpacken will. Stellte fest, ich habe bei manchen Sachen überhaupt keine Ahnung wie ich das Stichpunkthaltig aufschreiben soll. Wenn es dann bei den Stichpunkten schon anfängt, frage ich mich, wie ich das dann bitte in ganze Sätze verpacken soll. Vielleicht sollte ich mir auch die Option offen halten, von den Starren Strukturen eines Üblichen Konzeptes oder meinetwegen Buissinesplanes etwas abzuweichen, die Überschriften etwas anders zu formulieren. Vielleicht würde ich mir dann etwas leichter tun. Andererseits benötige ich dann wiederum doch ein paar Vorgaben um einen Ansatz zu finden, mit dem ich arbeiten kann.

Aber ich sehe schon ich rede zu viel um den heißen Brei herum und kommen nicht zum eigentlichen Thema, dass ich euch eigentlich mit diesem Beitrag mitteilen wollte. Ich habe aufgrund meiner, sagen wir mal, Vision, ein bisschen herumgegooglet. In der Hoffnung tatsächlich mal wieder was zu finden, Beitrags bzw. Berichtmäßig, was ich noch nicht kenne, Sinnvoll und Inhaltlich gut ist sowie es kein Beitrag von mir ist von dem ich nicht mehr weiß, dass ich diesen vor gefühlt hunderten von Jahren verfasst habe.

Beim ersten Versuch, ich hätte es ja beinahe nicht glauben können, habe ich dann direkt einen Beitrag gefunden, der zwar lang aber dennoch sehr aufschlussreich so wie sinnvoll ist. Inhaltlich sehr detailliert zu sein scheint und es auch spaß macht diesen zu lesen, wenn man sich ernsthaft mit diesem Thema befasst oder befassen will.

Genau diesen möchte ich euch nun mal vorstellen oder auch zeigen. Allerdings habe ich nicht den Kompletten Beitrag als Zitat eingebaut, da es einfach sonst viel zu lange wird, was der Beitrag ja jetzt ohne das Zitat schon ist. Gefunden habe ich den Beitrag übrigens auf socialnet.de unter dem Link: https://www.socialnet.de/materialien/60.php

Dort könnt ihr den Beitrag komplett lesen ohne mein Gesummsel vorne weg.

Landwirtschaft als Beschäftigungsfeld für Menschen mit Behinderung

Martina Carl

Veröffentlicht am 01.03.2005.

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Der Aufsatz beruht auf der gleichlautenden Diplomarbeit vom Februar 2005, Universität Kassel, Fachbereich 04 Sozialwesen. Die Arbeit wurde unter Betreuung von Prof. Dr. Ewald Rumpf erstellt und mit 1 benotet.
Die vollständige Diplomarbeit (121 Seiten) kann gegen 10,00 EUR per E-Mail bestellt werden.

Im Rahmen einer Diplomarbeit am Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel wurden die Bedeutung und die Funktionen von landwirtschaftlicher Arbeit für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung untersucht. Besondere Beachtung wurde hierbei sowohl den therapeutischen Wirkungsweisen und Potentialen als auch den Schwierigkeiten und Grenzen von sogenannten „grünen“ Beschäftigungsbereichen wie Land- und Gartenbau geschenkt.

Die Diplomarbeit will aufzeigen, wo die Chancen und wo die Potenziale der landwirtschaftlichen Arbeit mit Behinderten liegen. Es stehen dabei vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt:

  • Wie wirkt die landwirtschaftliche und gartenbauliche Arbeit auf den Menschen, insbesondere auf den geistig und seelisch behinderten Menschen?
  • Wo liegen die Grenzen der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Arbeit mit geistig und seelisch Behinderten; welche Schwierigkeiten und Problemsituationen können auftreten und mit welchen Maßnahmen kann man ihnen entgegentreten?

Grundbegriffe

Als geistig behindert gelten Personen, deren Lernverhalten wesentlich hinter der auf das Lebensalter bezogenen Erwartung zurückbleibt und durch ein andauerndes Vorherrschen des anschauend-vollziehenden Auflehnens, Verarbeitens und Speicherns von Lerninhalten und eine Konzentration des Lernfeldes auf direkte Bedürfnisbefriedigung gekennzeichnet ist.

Die Ursachen einer geistigen Behinderung sind organischer Natur. Vorrangig sind dies Schädigungen des Gehirns sowie Chromosomenaberrationen (Abweichungen der Chromosomenanzahl) sowie Infekte oder Vergiftungen der Mutter während der Schwangerschaft. Außerdem kann eine geistige Behinderung auch im Zusammenhang mit psychischen Störungen wie frühkindliche Schizophrenie oder Autismus gesehen werden sowie durch Einflüsse der Umwelt verursacht sein (HENSLE 2000, S. 131 ff.).

Kennzeichnend für eine psychische Behinderung ist ein breites Spektrum von Einschränkungen im sozioemotionalen sowie kognitiven Funktionsbereich. Dies können insbesondere Funktionseinbußen in Antrieb, Motivation, Interesse, Ausdauer, Belastbarkeit, Selbsthilfepotential, Selbstvertrauen, Kritikfähigkeit, Entscheidungskraft sowie auch in Wahrnehmung, Konzentration und Merkfähigkeit sein. Nicht eingeschränkt ist in der Regel das intellektuelle Leistungspotential des psychisch Behinderten. Kennzeichnend für eine psychische Erkrankung ist außerdem, dass diese in Phasen verläuft und nur schwer vorhersehbaren Schwankungen unterliegt. Die Fähigkeit des Betroffenen, Einsicht in seine Krankheitssituation zu haben und diese beurteilen zu können, ist oftmals erheblich eingeschränkt und die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen erfordern meist mehr Zeit als bei anderen Behinderungsarten (Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V. 2002).

Die Bedeutung von Arbeit für den Menschen wird von verschiedenen theoretischen Positionen ähnlich groß eingeschätzt. JAHODA beschreibt bei seinen Ausführungen fünf Strukturmerkmale von Arbeit. Demnach hat organisierte Arbeit eine Zeitstruktur, der sich der Beschäftigte nicht entziehen kann und die sein Zeiterleben strukturiert. Arbeit erweitert den sozialen Horizont des Arbeitenden und lässt ihn seine soziale Existenz erleben, da am Arbeitsplatz viele Kontakte geknüpft werden können. Außerdem bestimmt Arbeit den gesellschaftlichen Status sowie die Identität eines Menschen und verschafft ein Gefühl von persönlichem Erfolg und Sicherheit durch die gelungene Bewältigung von äußeren Anforderungen und die Erfüllung der Erwartungen anderer (SONNENTAG 1991).

Diese Funktionen und Wirkungsweisen von Arbeit gelten auch für Menschen mit Behinderung. Das Verrichten einer Arbeit oder Beschäftigung kann wesentlich dazu beitragen, dass Menschen mit einer Behinderung ein Leben führen können, welches so normal wie möglich verläuft. Durch eine den persönlichen Neigungen entsprechende Tätigkeit wird dem Beschäftigten Normalität vermittelt, indem ihm Akzeptanz und Anerkennung zuteil wird.

Arbeit bringt dem Menschen mit Behinderung einen täglichen Lebensrhythmus und bietet die Möglichkeit, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln und immer wieder neu auszubauen. Durch das Wahrnehmen eigenständiger Aufgabenbereiche kann ein Leistungsfähigkeits- und Selbstwertgefühl aufgebaut werden und eine emotionale Ausgeglichenheit und Zufriedenheit bei dem Beschäftigten erreicht werden.

Durch die ständige Zusammenarbeit mit anderen Beschäftigten sowie Betreuern können am Arbeitsplatz wichtige Kontakte geknüpft werden und ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl erlebt werden (AERNOUT 1992).

In Abhängigkeit von der Behinderungsart und Behinderungsschwere sowie auch der Krankheitsgeschichte und den beruflichen Vorerfahrungen des Betreuten kommen für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung verschiedene Möglichkeiten in Betracht, einer regelmäßigen Beschäftigung nachzugehen. Dies sind vor allem die Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Firmen für psychisch Kranke, Arbeitsbereiche in Dorf- und Lebensgemeinschaften sowie auch vereinzelt Betriebe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Anforderungen an Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Landwirtschaft

Um dem Menschen mit Behinderung bei seiner Beschäftigung in der Landwirtschaft nicht zu schaden, sondern zur Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten beizutragen, müssen bestimmte Anforderungen an den jeweiligen Arbeitsplatz erfüllt sein:

Grundsätzlich sollte der Arbeitsplatz von dem Betreuten auch gewollt sein. Der gewählte Arbeitsplatz sollte Gelegenheit geben, während des gemeinsamen Arbeitens mit anderen in Kontakt zu kommen. Das Eingehen einer persönlichen Beziehung zu anderen Mitarbeitern kann für den geistig oder seelisch Behinderten eine wichtige Möglichkeit sein, die Persönlichkeit positiv entfalten zu können. Durch die Anpassung des Arbeitsplatzes an die Fähigkeiten des Betreuten sowie die Interaktion mit anderen Menschen hat die Arbeit eine entwickelnde und stabilisierende Funktion. Unter der Beachtung von Prinzipien der Anschaulichkeit und des Sinnzusammenhangs sollten die verschiedenen Arbeitsvorgänge miteinander verknüpft werden und dem arbeitenden Menschen auf diese Weise das eigene Können sowie der Weg zum Endprodukt kognitiv erfahrbar gemacht werden. Gerade in der Landwirtschaft wird dies äußerst erfolgreich praktiziert, indem es den Betreuten ständig möglich ist, das Gedeihen von Pflanzen, das Reifen von Früchten und das Wachsen von Kälbern oder anderen Nutztieren zu verfolgen. Wichtig ist außerdem die Wertschätzung, die Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung durch ihre Arbeit erfahren. Dies kann geschehen, indem der Beschäftigte in die Vermarktungsmöglichkeiten der Produkte einbezogen wird und bei der Arbeit im betriebsinternen Hofladen Kontakt zu Kunden pflegen und Lob an der Qualität der erzeugten Produkte erfahren kann (AGÖL 1994).

Damit Arbeit für den geistig und seelisch Behinderten einen rehabilitativen und persönlichkeitsfördernden Charakter hat, sollten folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Es müssen Entscheidungsspielräume bei der Arbeit gegeben sein, die jedoch nicht zu groß sein dürfen.
  • Die Arbeit muss eine gewisse Variabilität aufweisen.
  • Die Arbeitsaufgaben müssen mindestens Handlungsniveau haben.
  • Die Arbeitsanforderungen müssen klar und überschaubar sein.
  • Generell müssen die Anforderungen den individuellen Voraussetzungen angepasst sein.

Um Überforderungen entgegen zu wirken, sollten bei der Arbeitsgestaltung die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten des Betreuten berücksichtigt werden und belastende Faktoren wie Zeitdruck, mangelnde emotionale Unterstützung, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, Arbeitsumgebungsbelastungen und unangemessene Arbeitszeiten vermieden werden (SONNENTAG 1991).

Therapeutische Aspekte des Land- und Gartenbaus

Arbeiten in Land- und Gartenbau eignen sich in besonderer Weise für die Förderung geistig und seelisch Behinderter und unterscheiden sich in verschiedener Hinsicht von der in geschlossenen Räumen stattfindenden Industriearbeit. In Land- und Gartenbau sind die Sinnzusammenhänge für den Beschäftigten meist einfacher zu erkennen. Dem behinderten Mitarbeiter fällt es leicht, einen unmittelbaren Bezug zu seiner Arbeit herzustellen und sich damit zu identifizieren.

Dem ausgeprägten Bewegungsbedürfnis vieler Beschäftigter kommt die Auslastung durch körperliche Arbeiten entgegen. Vereinzelt gelten Betreute als besonders aggressiv und sind für einen industriellen Arbeitsbereich nicht tragbar. Nach einem Wechsel in einen der sogenannten „grünen Arbeitsbereiche“ werden solche Beschäftigte oftmals zu wichtigen Leistungsträgern.

Besonders wichtig für den Menschen mit Behinderung sind die natürlichen Regelmäßigkeiten, die bei der Arbeit im Land- und Gartenbau erlebt werden. Sowohl die Tierhaltung als auch der Anbau und die Ernte von Pflanzen erfordern regelmäßige und immer wiederkehrende Arbeiten. Der überwiegende Aufenthalt im Freien lässt den Wechsel von Tages- und Jahreszeiten als etwas Elementares erleben und die Zeit wird für den Beschäftigten begreifbar als Wachstums-, Reife- und Erntezeit.

Feld- und Gartenarbeit

Unter Feldarbeit ist die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion auf Grünland oder Acker zu verstehen (Gras, Futterrüben, Getreide etc.). Der Begriff Gartenarbeit umfasst die gartenbauliche Produktion wie den Anbau von Schnittblumen, Stauden, Gemüse, Kräutern, Pilzen, Obst und Beeren sowie die gartenbaulichen Dienstleistungen (Landschaftspflege, Floristik und Friedhofsgärtnerei).

Bei der Förderung des behinderten Mitarbeiters kann mit den entsprechend anfallenden Arbeiten auf die vorhandenen Eignungen und Neigungen eingegangen werden. So bieten der Zierpflanzen- und Gemüsebau die Möglichkeit, soziale, kognitive, methodische und psychomotorische Kompetenzen der unterschiedlichsten Intensität zu fördern. (AGÖL 2000).

Die bei der Arbeit in der Natur gewonnenen Erfahrungen können genutzt werden, um sich selbst näher zu kommen und sich der eigenen Natur vertraut zu machen. Die Arbeit auf dem Feld und im Garten bringt den Klienten durch die lebendige Auseinandersetzung mit den Pflanzen in Kontakt mit seinen eigenen Fähigkeiten zu Wachstum und Veränderung. Vor allem Menschen mit seelischer Behinderung haben Probleme mit Beziehungen. Therapeutisch angewandte Feld- und Gartenarbeit geht davon aus, dass ein beziehungsgestörter Mensch in gewisser Weise „entwurzelt“ ist. Durch Orientierung an und Arbeit in der Natur können Ruhe, Zufriedenheit und Motivation gefördert und die Beschäftigung mit den eigenen Unzulänglichkeiten verringert werden. Gartenarbeit ermöglicht es dem Betreuten, sich auf etwas anderes als nur sich selbst zu konzentrieren. Bei den vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten können die bestehenden gesunden „Anteile“ und Fähigkeiten bestens beobachtet werden. Es werden persönliche Entwicklungen angeregt. Entwicklungsdefizite werden nachgeholt und das Neugelernte wird langsam in die Persönlichkeit integriert.

Die Feld- und Gartenarbeit ist eingebettet in ein eindeutiges, in der Natur vorgegebenes Handlungsschema. Dass Pflanzen regelmäßig gegossen werden müssen und aufmerksamer Pflege bedürfen, ist für den Betreuten leicht einsehbar und nachzuvollziehen. Solche Erlebnisse machen den Aufforderungscharakter von Feld- und Gartenarbeit deutlich und dienen als Motivationshilfe.

Arbeit mit Nutztieren

Genauso wie die Arbeit mit Pflanzen und Erde kann auch die Beschäftigung mit Tieren einen heilenden Einfluss auf den Menschen haben. Der Anblick eines Tieres oder der Hautkontakt beim Streicheln kann beim Menschen Reaktionen und Gefühle der Zuneigung auslösen.

Bei der Beschäftigung Behinderter kann der Tierkontakt als wichtige Grundlage für die therapeutische Arbeit genutzt werden. Der Umgang mit Tieren macht es dem Betreuten möglich, verschiedene Verhaltensweisen zu erproben. Durch Versorgung und Pflege eines Tieres wird das Selbstvertrauen gestärkt, Verantwortung sowie Rollenverständnis bezüglich des eigenen Arbeitsbereiches erprobt. Die Arbeit mit Nutztieren dient dem Menschen mit Behinderung dazu, Zusammenhänge in der Nahrungskette besser begreifen und eine reale Vorstellung über die Herkunft von Lebensmitteln gewinnen zu können (AGÖL 1994).

Hinsichtlich der therapeutischen Aspekte von Tieren können die psychologischen, physischen und sozialen Wirkungen auf den Menschen unterschieden werden. Zu den psychologischen Wirkungen gehört die Förderung eines positiven Selbstbildes. Die Versorgung eines Tieres kann dazu beitragen, das eigene Leben zu strukturieren und den Aufbau eines festen Tagesablaufes zu ermöglichen. Der Betreute erfährt im Umgang mit dem Tier Ermutigung und Begeisterung für das eigene Handeln und wird außerdem zu Pünktlichkeit, Ordnung und Selbstdisziplin erzogen.

Die Sensibilisierung für die eigenen Ressourcen sowie die Kontrolle über sich selbst und die Umwelt werden gefördert. Beim Tierkontakt wird das emotionale Wohlbefinden des Betreuten positiv beeinflusst. Er erfährt Zuwendung, Bestätigung, Trost und spontane Zuneigung. So ermöglicht es ein Nutztier dem Behinderten, Körperkontakt zu erleben, Distanzen abzubauen und Nähe herzustellen. Die vielfältigen Lernerfahrungen im Zusammenhang mit Tieren und Tierhaltung tragen zu kognitiver Anregung und Aktivierung bei.

Anhand von physiologischen Reaktionen beim Menschen kann nachgewiesen werden, dass Tiere dem Menschen ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit vermitteln. Schon die reine Präsenz eines Tieres kann beruhigend auf den Menschen wirken. Bei regelmäßigem Umgang mit einem Tier werden Herzfrequenz und Blutdruck gesenkt sowie der Kreislauf stabilisiert.

Eine wichtige soziale Wirkung von Tieren auf den Menschen ist die Aufhebung von Einsamkeit und Isolation. Durch die Nähe eines Tieres wirkt ein Mensch offenbar zugänglicher und in diesem Zusammenhang fördern Tiere auch den sozialen Kontakt zu anderen Menschen. Dabei dient das Tier als Kommunikationshilfe, als eine Art Vermittler beim Aufbau von sozialen Kontakten (GREIFFENHAGEN 1991, OTTERSTEDT 2001).

Probleme und Grenzen der Beschäftigung von Behinderten in der Landwirtschaft

Trotz aller positiven und therapeutisch sinnvollen Aspekte des Land- und Gartenbaus mit geistig und seelisch Behinderten, können bei der praktischen Arbeit in einem solchen Beschäftigungsbereich auch diverse Schwierigkeiten auftreten.

Bei der Arbeit mit Behinderten in Land- und Gartenbau sollen einerseits die Beschäftigten individuell betreut und deren Persönlichkeit gefördert werden, andererseits existieren gewisse betriebswirtschaftliche Zwänge, die beachtet werden müssen. Der Konflikt zwischen Produktion und Pädagogik wird hier deutlich. Eine völlige Rationalisierung und Mechanisierung der Betriebe wird nicht angestrebt, da gerade manuelle Arbeit diverse Beschäftigungsmöglichkeiten für die unterschiedlich qualifizierten Mitarbeiter bietet. Allerdings gilt es, betriebswirtschaftliche Standards zu beachten und termingerechte Auftragsarbeiten fertig zu stellen. Das wirtschaftliche Ergebnis und die leistbare pädagogische Arbeit werden in hohem Masse durch Art und Schwere der vorhandenen Behinderungen bestimmt. Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks sehen sich viele Gruppenleiter gezwungen, die besonders leistungsfähigen Menschen mit Behinderung in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich zu halten, was die betriebsinterne Konkurrenz verstärkt und zu Konflikten unter den Betreuten führt. Um einer heilpädagogischen Betreuung gerecht zu werden und gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten zu können, wäre die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen gemäß der Leistungsfähigkeit und dem sozialen Verhalten der Betreuten wünschenswert. Für besonders komplexe Arbeiten (z. B. Melken) sollte überlegt werden, Fachkräfte anzustellen. Monotone und bei den Behinderten weniger beliebte Arbeiten könnten vollständig mechanisiert werden, damit die Arbeitsmotivation bei den Betreuten gesteigert werden kann. Die Gegensätze zwischen Pädagogik und arbeitswirtschaftlichen Erfordernissen können vor allem dann überwunden werden, wenn der Betreuer von dem Sinn und Wert der verrichteten Arbeiten überzeugt ist und dies den behinderten Mitarbeitern auch vermitteln kann. Die Wertschätzung der geleisteten Arbeit sowie die damit verbundenen Hochgefühle über den eigenen Erfolg sind wichtige Erfahrungen für den Betreuten, die eine konstante und zufriedenstellende Beschäftigung gewährleisten (AGÖL 1994).

Geregelte Arbeitszeiten sind in Betrieben des Land- und Gartenbaus kaum zu realisieren. Die Versorgung und Pflege der landwirtschaftlichen Nutztiere ist auch am Wochenende und in Ferienzeiten unabdingbar, was zu Überbeanspruchungen des behinderten Mitarbeiters führen kann. Wetterabhängige Saisonarbeiten mit „Arbeitsspitzen“ können vor allem im Hochsommer nicht vermieden werden. Um einerseits einen optimalen Betriebsablauf zu gewährleisten, jedoch auch den Bedürfnissen der Betreuten gerecht zu werden, kann in einem sogenannten Schichtdienstverfahren gearbeitet werden. Dabei arbeiten zwei Gruppen im Wechsel an Vormittagen bzw. Nachmittagen. Auf diese Weise wird eine Wochenarbeitszeit von 36 Stunden nicht überschritten und den Behinderten ist weiterhin die Teilnahme an Freizeitaktivitäten in Wohnbereich und sozialem Umfeld möglich. Sonder- und Mehrarbeit am Wochenende wird mit einer zusätzlichen Vergütung oder alternativ durch Freizeitausgleich entlohnt.

Relativ unbeliebte Beschäftigungsbereiche wie Melken -und das damit verbundene frühe Aufstehen- können zu ausgesprochen verantwortungsvollen Positionen erklärt werden, indem dem Betreuten die Wichtigkeit und Notwendigkeit der verrichteten Arbeit vermittelt wird (AGÖL 1994).

Viele pädagogische Mitarbeiter nennen den als zu eng empfundenen Betreuungsschlüssel von 1:12 als große Schwierigkeit bei der Arbeit mit Behinderten in Landwirtschaft und Gartenbau. Die Weitläufigkeit der zu bewirtschaftenden Fläche lässt kaum zu, auf jeden Betreuten individuell einzugehen. Eine Veränderungsmöglichkeit diesbezüglich wäre die individuelle Festlegung des Betreuungsschlüssels für den jeweiligen Werkstattbereich. Somit würde sich der Betreuungsschlüssel in einem Bereich mit geringerem Betreuungsbedarf (z.B. Montage) verschlechtern zugunsten des landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Arbeitsbereiches. Solche Änderungen des Betreuungsschlüssels sind mit dem Träger der Einrichtung auszuhandeln (AGÖL 1994).

Viele Einrichtungen mit landwirtschaftlichem und gartenbaulichem Arbeitsbereich für behinderte Menschen stehen vor dem Problem, qualifiziertes Betreuungspersonal zu finden, welches den unterschiedlichen Anforderungen eines solchen Beschäftigungsfeldes entspricht. Gruppen- oder Betriebsleiter sollten u.a. Führungsqualitäten, pädagogische Fähigkeiten, Fähigkeit zur Teamarbeit, soziales Engagement, gute Produktkenntnisse und betriebswirtschaftliches Wissen vorweisen können. Die Diskrepanz zwischen diesen Anforderungen an die Position des Betriebsleiters einerseits und dessen finanzieller Entlohnung andererseits wird auch als „Betriebsleiterproblem“ bezeichnet (HERMANOWSKI 1992).

Ein weiteres Problem aus dem Bereich des pädagogischen Personals ist die mangelnde Kommunikation mit anderen Arbeitsbereichen der Einrichtung. Organisatorische Absprachen zwischen dem Sozialen Dienst oder Wohnbereich mit dem Werkstattbereich finden oftmals entweder gar nicht oder nur unzureichend statt. Als Lösungsansätze für dieses Problem könnten regelmäßige Zusammenkünfte für das gesamte Personal sowie gegenseitige Hospitationen in den verschiedenen Arbeitsbereichen sein (AGÖL 1994).

Die Art und der Aufwand der Betreuung kann bei psychisch Behinderten anders sein als bei geistig Behinderten. So erfordern psychisch Behinderte einen erhöhteren Betreuungsaufwand und fühlen sich schneller überfordert als geistig Behinderte. Psychisch Behinderte lehnen eine Zusammenarbeit mit geistig Behinderten häufig ab, weisen höhere Fehlzeiten auf und zeigen schlechtere bzw. schwankendere Arbeitsleistungen als geistig Behinderte. Ein erster Lösungsansatz für diese Problemsituation besteht im Aufbau einer eigenen Werkstatt für psychisch Behinderte bzw. einer separaten Abteilung innerhalb der Werkstatt (SONNENTAG 1991).

Der Umgang mit landwirtschaftlichen Nutztieren birgt einige Gefahren und das Risiko einer Krankheitsübertragung oder einer Verletzung. Verletzungen wie Kratzen, Beißen, Treten oder Umrennen von Menschen durch Tiere können durch nicht artgerecht gehaltene und folglich aggressiv und unberechenbar gewordene Tiere verursacht werden. Über die Ausdrucksformen und die Ansteckungsgefahr von Tollwut sollten alle Beschäftigte ausreichend aufgeklärt werden. Um Wurmparasiten zu verhindern, ist es wichtig, ausreichende hygienische Maßnahmen zu treffen. Unzureichend gereinigte Futternäpfe und Tierbehausungen beeinträchtigen die Gesundheit des Tieres wie des Menschen gleichermaßen (AGÖL 1994).

Durch die Abhängigkeit von Wetter und Jahreszeiten kann es schwierig sein, den Beschäftigten in Land- und Gartenbau ganzjährig eine sinnvolle Arbeit zu bieten. Bei der Gestaltung der Produktionsbereiche ist darauf zu achten, dass genügend Schwerpunkte vorhanden sind, die auch im Winter konstante Arbeiten ermöglichen. Eine Konstanz an Beschäftigung zu jeder Jahreszeit kann erreicht werden durch Viehhaltung (tägliches Füttern und Misten), Kartoffelschälbetriebe sowie Verpackungsbereiche (HERMANOWSKI 1992). […]

Nachdem mein Beitrag jetzt doch ziemlich lang wurde, bin ich jetzt schon mal begeistert, wenn irgendwer das ganze gelesen hat und hier unten wieder angekommen ist.

Aber wie gesagt, es ist nicht der gesamte Beitrag, und ich wollte unbedingt diesen mit euch Teilen, weil ich ihn so Toll fand. Und auch aufschlussreich. Ganz oben findet ihr wie gewohnt den Link, über den ihr dann zur entsprechenden Seite kommt, auf der der komplette Bericht zu finden und zu lesen ist. Kurz um, der Text kommt nicht von mir, sondern von jemand anderem.

Adios bis später.